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10.11.2002  |  Die Webstandards machen Browser-Sniffing obsolet.

Viele Websites nutzen immer noch Browser-Sniffing - kleine Programme, die die Browser-Version ausspähen und je nachdem eine andere Version der gleichen Seite anzeigen. Andere Webdesigner ziehen es vor, nach den internationalen Web-Standards zu programmieren. Warum dies die bessere Lösung ist, und welch ein Irrweg Browser-Sniffing war, davon handelt dieser Artikel.

Jedesmal wenn Sie eine Website besuchen, senden Sie einen Code, der 'User Agent String' oder 'Browserkennung' genannt wird. Jeder Browser sendet eine andere Kennung. Die meisten beginnen mit dem Wort 'Mozilla'.

Mozilla war schon immer der 'Nickname' des Netscape-Browsers. Heute gibt es nebst dem Netscape-Browser auch einen, der sich Mozilla nennt. Und beide identifizieren sich als 'Mozilla'. Einige Beispiele:

Internet Explorer sendet: Mozilla/4.0 (compatible; MSIE 6.0; Windows NT 5.1; Q312461).

Opera identifiziert sich als: Mozilla/4.0 (compatible; MSIE 5.0; Windows XP) Opera 6.05 [en].

Der Mozilla-Browser: Mozilla/5.0 (Windows; U; Windows NT 5.1; en-US; rv:1.1) Gecko/20020826

Warum beginnen sie alle mit dem Wort 'Mozilla'?

In der Internet-Steinzeit gab es eine frühe Netscape-Version, die komplexeres HTML verarbeiten konnte als der damalige Internet-Explorer. Webdesigner liessen sich dadurch zu etwas verleiten, das sie bald schwer bereuen sollten: Sie verlegten sich aufs Browser-Sniffing und programmierten unterschiedliche Seiten für Netscape und Internet-Explorer.

Es kam, wie es kommen musste: Die nächste Version des Internet-Explorers war besser. Weil jedoch viele Websites das Wort 'Mozilla' zum entscheidenden Begriff für ihre Browser-Weichen nutzten, entschied sich Microsoft, ihre Browserkennung entsprechend anzupassen...

Wir hatten nun also einen Browser, den alle 'Netscape' nannten, ausser der Firma Netscape selber, die ihn Mozilla taufte. Und Microsoft baute nun einen Browser, den alle 'Internet Explorer' nannten, der sich aber als Netscape ausgab, indem er sich als Mozilla identifizierte. Alles klar? Sie ahnen nun, in welcher Hölle sich die Webdesigner wiederfanden...

Es kommt noch schlimmer. Die Webdesigner machten im Laufe der Zeit immer mehr Browser-spezifische Versionen der gleichen Website. Einige liessen sich auch dazu verleiten, Browser speziellerer Macharten komplett auszusperren, mit der Anmerkung: Diese Seite funktioniert nur mit... Version 5.0... Und als Internet-Explorer populärer wurde, wurden mehr und mehr Sites nur für den Microsoft-Browser programmiert - oft genug für völlig nutzlose Features.

Folgerichtig begannen nun einige Browser, sich als Internet-Explorer auszugeben (der umgekehrt behauptete, er sei Netscape, bzw. Mozilla... ), damit ihre Benutzer Zugang zu diesen Websites erhielten.

Genug, es reicht, finden Sie nicht auch? ;)

Die Zeiten haben sich geändert, mehr und mehr Sites halten sich an die Webstandards, und eine steigende Zahl von Webdesignern realisiert, dass in den Webstandards die Zukunft liegt - eine befreiende Zukunft.

Die Webstandards sparen nicht nur Kosten, indem Sites nicht mehr doppelt und dreifach programmiert werden müssen. Sie machen Ihre Website auch Zukunfts-kompatibel, indem bei künftigen Browser-Versionen nicht alle Browser-Weichen umprogrammiert werden müssen (was denn auch meistens 'vergessen' wird).

Sie erleichtern die Einführung von Content-Management-Systemen, indem Inhalt und Formatierung im Code getrennt werden, und sie eröffnen das Potential, dass Websites nicht nur auf Computern angezeigt werden können, sondern in allen denkbaren Displays - ohne Browser-spezifische Hacks, ein und dieselbe Version.

Es gibt nur einen Wermutstropfen: Netscape 4. Dieser Browser (und all seine Unter-Versionen, wie NS 4.5, 4.7 etc.) unterstützt die Standards nur bruchstückhaft, und er ist bei einigen Prozent der User immer noch installiert.

(Surfen Sie mit Netscape? Um sicher zu gehen, klicken Sie mal auf den letzten Menu-Punkt unter 'Hilfe': Wenn dort die Version 4.7, 4.5 oder gar 4.0 angezeigt wird, lohnt sich ein Upgrade - die Web-Welt sieht dann ganz anders aus für Sie!)

 

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