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Der Kunde sieht's ja nicht

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31.08.2003  |  Wie Schweizer Webagenturen pfuschen - und wie Sie es als Kunde doch merken

'Swiss made' gilt nicht mehr automatisch als Qualitätssiegel: Was an der Oberfläche glänzt und funkelt und sich als 'professionelle Homepage' gebärdet, ist unter der Haube oft nur notdürftig zusammengeflickt, frei nach dem Motto: Der Kunde sieht's ja nicht. (Weiter unten erhalten Sie eine Anleitung, wie Sie es doch erkennen können ;)

Selbst bei den eigenen Websites, wo die Webagenturen ihre Leistungen unter Beweis stellen dürfen, stolpert der Webbrowser über vergessene Doctype-Deklarationen, nicht geschlossene Tags und haufenweise Code-Müll. Eine schnelle Stichprobe bei Agenturen in St. Gallen, Zürich und Basel zeigt die erschreckenden Ausmasse des Pfuschs:

Die Startseite eines St. Galler Büros, welches auch staatliche Stellen in seinen Referenzen führt, weist auf 1200 Programmzeilen 350 Fehler auf! Ein Zürcher Büro, welches in Google aufgrund von billigen Täuschungsmanövern auf Platz 1 erscheint (versteckter Text am langen unteren Ende der Seite), hat keine Doctype-Deklaration und 40 Fehler auf 350 Zeilen. Und die silbern glänzende Homepage der Basler Stichprobe kam auf 94 Fehler bei 406 Programmzeilen, nebst einer vergessenen Angabe des Character-Encodings.

Alle drei Agenturen verwenden noch immer den veralteten Font-Tag, um ihre Schriften zu formatieren - auch bei Kundenseiten, die als beispielhafte Referenzen aufgeführt werden. Dass unzählige Table-Tags nicht geschlossen werden, weist darauf hin, dass hier nur mit Internet-Explorer 'getestet' wird. Denn dieser Browser sieht als einziger gnädig über diesen Programmierfehler hinweg.

Eine Website nur für Internet-Explorer zu schreiben, kann sich bald als fataler Fehler erweisen: Kürzlich verlautete aus dem Hause Microsoft, dass keine weiteren Versionen des Internet-Explorer mehr entwickelt werden. Künftig wird der Browser direkt an das Windows-Betriebssystem gekoppelt und nicht mehr als Standalone-Browser zum Downloaden erhältlich sein. Was bedeutet das für uns Web-User und Website-Betreiber?

Die Web-Welt wird bis zum Erscheinen der nächsten Windows-Version in zwei bis drei Jahren mit der jetzigen Version 6 vorlieb nehmen müssen. Bis der Grossteil aller PCs auf das neue Windows aufgerüstet werden, vergehen nochmals zwei bis drei Jahre - zuviel für einen Webbrowser, um nicht hoffnungslos der Entwicklung hinterherzuhinken und zu veralten. Andere Browser werden an Marktanteilen entscheidend dazugewinnen. (Lesen Sie hierzu auch den Beitrag von 1998 'Navigieren oder Exploren?'!)

Die Folge davon? Ihre Website muss bald auch mit diesen Browsern einwandfrei funktionieren. Der einfachste Weg dazu sind die Webstandards. Diese wurden von einem Konsortium aus Industrie und Fachleuten unter Leitung des Web-Gründers Tim Berners-Lee gegründet, um einer Zersplitterung des Web in Hersteller-kontrollierte, nicht mehr zusammen funktionierende Fragmente entgegenzuwirken, und das Web seinem vollen Potential als Informationsmedium zuzuführen.

Standards-kompatible Websites laufen auf allen Browsern, laden schneller und sind wesentlich einfacher zu unterhalten. Sie können ganz einfach checken, ob Ihre Website den Web-Standards entspricht: Gehen Sie auf http://www.w3.org, wählen Sie links den HTML-Validator, und geben Sie dort Ihre Website-Adresse an. Probieren Sie es gleich aus! Sie erhalten vermutlich eines der folgenden Ergebnisse:

1. - 'Fatal Error: No DOCTYPE specified!' Die Doctype-Deklaration zeigt dem Browser an, um welchen Dokumententyp es sich handelt. Wenn sie fehlt, geht der Browser in den 'Quirks-Mode' über und zeigt die Seite auf eine unkontrollierbare Weise an.

2. - 'I was not able to extract a character encoding labeling...' - Die Angabe das Character-Encoding fehlt: Der Browser weiss nicht, wie er den Text Ihrer Website lesen soll.

3. - 'This page is not Valid HTML 4.0 Transitional!' - Das bedeutet, dass Ihre Website nicht hundertprozentig den Webstandards entspricht.

4. 'This Page Is Valid HTML 4.0 Transitional!' Gratuliere: Ihre Website entspricht den Standards - zumindest innerhalb des Rahmens, den diese automatische Prüfung zulässt.

Falls ich Ihnen nun leider nicht gratulieren konnte: Vielleicht sind es keine schwerwiegenden Fehler, und hoffentlich sind es nicht so viele wie bei den eingangs gezeigten Beispielen. Wenn Sie jedoch genauer wissen wollen, wie fehlerhaft Ihre Website programmiert ist, und ob das schwerwiegend oder eher vernachlässigbar ist, kontaktieren Sie mich für eine Interpretation der Ergebnisse.

 

Lesen Sie hierzu auch: Professionell oder nicht? - So erkennen Sie, ob Ihr Webdienstleister sein Metier beherrscht.

 

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