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Ein Suchdienst, der nicht neutral ist

Von einem Suchdienst erwartet man, dass er neutrale Suchergebnisse anzeigt. Die Google-Ergebnisse sind es definitiv nicht mehr. Auszug aus einem Bericht in der Weltwoche vom 11.09.2019

Letzten Montag reihten sich die obersten Staatsanwälte aus einem Dutzend Bundesstaaten vor dem Obersten Gerichtshof in Washington auf. Sie kündigten ein von fünfzig Staaten koordiniertes Kartellverfahren gegen Google an.

«Es gibt sehr überzeugende Analysen, nach denen ein Grossteil der Suchresultate zu Google-Unternehmen oder zu Anzeigenkunden führen.»

Eine im Mai publizierte Studie von Forschern der Northwestern University legt nahe, dass Google seine Macht auch als politischer Meinungsmacher einsetzt. Bei den Leseempfehlungen in der «Top Stories» – Box verwiesen 62,4 Prozent auf linke Quellen wie CNN und nur 11,3 Prozent auf konservative Quellen wie Fox News.

In Deutschland hat Youtube, das zu Google gehört, ein Video der AfD-Bundestagsfraktion gelöscht. Erst nach einer Klage des auf Internetzensur spezialisierten Anwalts Joachim Nikolaus Steinhöfel, der Mandanten aus allen im Bundestag vertretenen Parteien vertritt, wurde der Clip wieder aufgeschaltet.

Angestellte des Internetkonzerns spendeten bei den Wahlen 2016 über eine Million US-Dollar fürs Lager von Hillary Clinton. Die Kampagne von Donald Trump erhielt dagegen null Dollar.

Weitere Einblicke in die politische Seelenwelt der Tech-Giganten bietet ein rund einstündiges Video, das die rechte Plattform Breitbart News vor einem Jahr enthüllte. Es zeigt eine Versammlung von Google-Mitarbeitern unmittelbar nach dem Wahlsieg Trumps. Finanzchefin Ruth Porat, eigentlich eine stresserprobte Managerin, ist den Tränen nahe. «Wir alle brauchen eine Umarmung», sagt sie und fordert die Anwesenden auf, die am nächsten stehende Person in den Arm zu nehmen. Unter dem Beifall der Mitarbeiter verspricht Porat, Google werde seine «grosse Stärke, Ressourcen und Reichweite», nutzen, «um wirklich wichtige Werte zu fördern».

Vor wenigen Monaten dann ein neues Video. Mit versteckter Kamera wird Jen Gennai, eine hochrangige Google-Managerin, beim vertraulichen Gespräch im Restaurant gefilmt. Sie berichtet, wie bei der Trump-Wahl alle, inklusive Google, auf dem falschen Fuss erwischt worden seien («screwed») und «wie wir verhindern, dass sich das wiederholt». Die Google-Frau outet sich als Anhängerin der Demokratin Elizabeth Warren. Jedoch sei deren Absicht, die Internetkonzerne zu zerschlagen, nicht zielführend. Schliesslich «hätten all diese kleinen Firmen nicht dieselben Ressourcen wie wir», um «die nächste Trump-Situation zu verhindern».

Der Suchalgorithmus ist das Tafelsilber des Unternehmens. Er entscheidet darüber, welche Suchresultate angezeigt werden, wenn man beispielsweise nach «Hillary Clintons E-Mail-Skandal» oder nach «Wahlen Schweiz 2019» googelt. Die grosse, historische Leistung von Google als Suchmaschine bestand genau darin, vor zwei Jahrzehnten erstmals eine Hierarchie in das Wirrwarr des Internets zu bringen: wichtige Suchresultate zuerst. Doch nach welchen Kriterien entscheidet dieser Algorithmus über die Wichtigkeit? Kann es sein, dass bewusst oder unbewusst die linke Mehrheitsmeinung des Silicon Valley die Suchergebnisse verfälscht?

Genau das befürchtet der US-amerikanische Verhaltensforscher Robert Epstein. Der Psychologieprofessor war lange Zeit Chefredaktor der akademischen Fachzeitschrift Psychology Today. Zurzeit ist er als Senior Research Psychologist am American Institute for Behavioral Research and Technology tätig.

Epstein – bekennender Linker sowie Unterstützer Hillary Clintons bei den Wahlen 2016 – ist überzeugt: Im Rahmen seiner Forschung hat er Google dabei erwischt, wie das Unternehmen im Jahr 2016 die Suchmaschine als Hilfsmittel für Hillary eingesetzt hat. Seine Erkenntnisse präsentierte er im vergangenen Juli vor dem Rechtsausschuss des US-Senats. Der sogenannte Search Engine Manipulation Effect, kurz SEME, sei «eine der mächtigsten Formen der Beeinflussung, die in der Verhaltensforschung jemals entdeckt worden sind», so Epstein. Die Technik sei besonders gefährlich, weil sie – anders als etwa bezahlte Werbung – für den Betroffenen «unsichtbar» sei. SEME «lässt die Leute im Glauben, ihre eigene Schlussfolgerungen gezogen zu haben», was aber «eine Illusion» sei. Ferner lasse SEME «keine Papierspuren zurück, denen die Behörden nachgehen könnten».

Wie funktioniert die Manipulation laut Epstein? Der Psychologe weist darauf hin, dass sich bei Google über 90?Prozent aller Klicks auf der ersten Seite abspielen, sprich: unter den ersten zehn Treffern. Bei weniger als jeder zehnten Suche schauen die Nutzer über den Bereich der «Top Ten» hinaus.

Sorgt der Betreiber der Suchmaschine dafür, dass in den ersten zehn Treffern negative Botschaften über einen der beiden Kandidaten eingestreut werden, so hat dies einen starken Einfluss auf die Meinungsbildung von unentschlossenen Wählern. Und gemäss der Analyse Epsteins hat Google genau das bei den Wahlen 2016 getan. Die Übungsanlage Epsteins: Er liess knapp hundert unentschlossene Wähler nach politischen Inhalten suchen, mit verschiedenen Suchmaschinen. Daraus ergaben sich total 13?000 Suchvorgänge, die zu 98?000 Website-Klicks führten. Das Ergebnis war eine, so Epstein kürzlich in einer Talkshow, «dramatische Schlagseite in Googles Suchergebnissen zugunsten von Hillary Clinton».

Eine zweite Manipulationstechnik sei das Einblenden von Suchvorschlägen, noch während der Nutzer seine Suchbegriffe eingebe. Die meisten Google-Nutzer gingen davon aus, dass diese Vorschläge sich aus dem Suchverhalten anderer Nutzer ergäben. Doch dies treffe nicht immer zu. So seien den Wählern beispielsweise Suchbegriffe rund um den E-Mail-Skandal von Hillary Clinton über weite Strecken des Wahlkampfes nicht automatisch vorgeschlagen worden. Dies, obwohl sich aus den von Google publizierten Häufigkeiten für Suchbegriffe klar ergibt, dass das Interesse daran sehr gross war. Gab der Nutzer hingegen «Donald Trump ist» ein, bekam er häufig auch einen negativen Vorschlag zur Auswahl angezeigt. «Nutzer klicken besonders häufig auf negative Attribute, wenn sie ihnen vorgeschlagen werden», weiss Epstein.

Der Hamburger Anwalt Joachim Nikolaus Steinhöfel, der für die AfD den Youtube-Fall gewann, befindet sich im juristischen Dauerkampf um die Meinungsfreiheit mit den Internetgiganten. Die «Manipulationsmöglichkeiten sind unvorstellbar und angsteinflössend», bei falscher Nutzung «nachhaltig demokratiegefährdend». Allein schon die theoretischen Möglichkeiten seien «schlimm».

Und in der Praxis? Zumindest bei Facebook sei er sich nicht nur aufgrund eigener Erfahrungen sicher: «Beim Löschen von Inhalten besteht bei der internen Prüfung eine erhebliche Schlagseite nach links.» Diese sei nicht das Ergebnis zufälliger Entscheide, sondern ergebe sich «aus der Unternehmenspolitik». Deutlich werde dies etwa daran, dass Facebook sogar die absurdesten Löschungen mit vielen hundert Seiten langen Eingaben internationaler Topkanzleien verteidige. Das Unternehmen betreibe «digitale Massenvernichtung freier Rede».

Auch Google zieht die Schraube an. Seit Juni hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 17 000 Youtube-Kanäle und 100 000 Videos unter dem Titel «Hassrede» (hate speech) gelöscht – eine Verfünffachung gegenüber früheren Zeiträumen. Google dominiert also nicht nur den Online-Werbemarkt und die Internetsuchen. Sondern entscheidet mittlerweile auch darüber, was gesagt werden darf.


Auszug aus 'Wie links ist Google?', Florian Schwab, 11.09.2019, Weltwoche

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